Die Mediation
Die sprachliche Mediation oder Sprachmittlung:eine DefinitionDem „Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen“ (GERR) zufolge ist die Sprachmittlung eine der vier Arten kommunikativer Aktivitäten neben Rezeption, Produktion und Interaktion.
Entsprechend dem GERR „ermöglichen die schriftlichen und/oder mündlichen Aktivitäten der Sprachmittlung die Kommunikation zwischen Menschen, die – aus welchem Grund auch immer – sich nicht direkt verständigen können.“
Als Beispiele sprachmittelnder Aktivitäten führt der GERR vor allem das Übersetzen und das
Dolmetschen an, Letzteres kann auch in Form des Paraphrasierens, des Zusammenfassens und des Berichterstattens usw. erfolgen. Die Mediation wird als eine Tätigkeit angesehen, bei der „der Sprachverwender nicht seine eigenen Gedanken zum Ausdruck bringen will, sondern einfach als Mediator agiert zwischen Gesprächspartnern, die einander nicht unmittelbar verstehen können.“
Die Sprachmittlung: eine komplexe Aktivität
Die hier wiedergegebene Definition lässt die Sprachmittlung als eine eher mechanische und
unpersönliche Aktivität erscheinen, so als würde der Mittler eine rein passive Rolle spielen.
Man muss der Genauigkeit halber auch noch erwähnen, dass die im Referenzrahmen getroffene Unterscheidung zwischen mündlichen und schriftlichen Aktivitäten eine Reihe von Strategien in den Mittelpunkt rückt. Auf diese Weise tritt zwar die Komplexität der Mediation deutlicher in Erscheinung, aber letztendlich fehlt die notwendige Vertiefung, da zum Beispiel keine eigenen Bewertungsraster für die jeweils erreichten Kompetenzen vorliegen.
Hinsichtlich der Sprachmittlung ist eine Unterteilung nach folgenden Parametern möglich:
- der Kanal: mündliche Sprachmittlung; schriftliche Sprachmittlung; das Schema ist allerdings komplexer als hier ersichtlich, weil man auch zwischen einem mündlichen und einem schriftlichen Text und umgekehrt Mittler sein kann.
- die Modalität: in Bezug auf die betroffenen Sprachen ist eine weitere Variable möglich, da man zwischen L1 und L2, zwischen L2 und L1 oder zwischen zwei Sprachen, die beide keine L1 sind, mitteln kann (wie in der Abbildung hier gezeigt), wobei L2 für jede „andere“ Sprache steht, die nicht L1 ist.

die sie ins Spiel bringt, eine eher detaillierte Beschreibung von Kompetenzen notwendig macht.
Die Mediation in unseren Europäischen Sprachenportfolios
In einem mehrsprachigen Land wie dem unseren ist es selbstverständlich, dass man zwischen verschiedenen Sprachen und Kulturen immer wieder eine Mittlerrolle einnimmt, und dies in jedem Lebensalter und in jedem Umfeld. Deshalb wurde in unseren Sprachenportfolios ganz bewusst der Mediation besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Sowohl im ESP der Grundschule wie in dem der Mittelschule wird eine ganz gewöhnliche Mittlungssituation aus dem Alltag herausgegriffen (z.B. das Gespräch mit einem Eisverkäufer oder das Interview eines Journalisten mit einem Skirennläufer). Darauf aufbauend werden den Schülerinnen und Schülern einige Aktivitäten angeboten, damit sie
- erkennen können, dass die Mediation in einem mehrsprachigen Umfeld wie dem unseren zu einer Alltagshandlung wird;
- sich der sprachlichen Entscheidungen bewusst werden, die sie treffen, wenn sie zwischen der einen und der anderen Sprache „Brücken“ schlagen;
- verstehen, dass die Mediation meist nicht eine wortgetreue Übersetzung verlangt;
- schließlich erfassen, dass sich kommunikative Schwierigkeiten oft überwinden lassen, wenn Äußerungen umformuliert und vom Gesprächspartner Klärungen eingeholt werden.
Die Aktivitäten sind nach dem Prinzip eines Spiralcurriculums aufgebaut. Wenn im ESP der Grundschule die Reflexion eher auf sprachlicher Ebene erfolgt, indem die Lernenden dazu aufgefordert werden, die Mittlungssituationen „nachzuspielen“, so zielt das der Mittelschule
bereits auf eine Analyse der Sprachmittlung hin, indem die verbale wie nonverbale Ebene (Tonlage, Lautstärke, Körpersprache, Nähe und Distanz der Gesprächspartner usw. ) und die
kommunikativen Absichten untersucht werden.
Auf diese Weise sollten Schülerinnen und Schüler auch überlegen,
- warum bestimmte sprachliche Entscheidungen getroffen werden,
- wie die sprachlichen Absichten der anderen gedeutet (interpretiert) werden können,
- was man vermutlich bei einem Gesprächspartner bereits voraussetzen kann und daher nicht übersetzt werden muss,
- wie man in einer Mittlungssituation oder aus dem Kontext heraus entscheidet, ob etwas wichtig genug ist, um übersetzt oder umformuliert zu werden, oder nicht.
Letzteres gilt in verstärktem Maße auch für das ESP der Oberschule, wo verschiedene
Mittlungssituationen zur Reflexion anregen und bereits vorhandene Erfahrungen der Lernenden einfließen lassen. Als neuer Schwerpunkt wird die Übersetzung angegangen: sie gehört zu den besonders anspruchsvollen Mittlungstätigkeiten.
Die Mediation ist somit in unseren Sprachenportfolios als eine problemlösende Aktivität angelegt und soll die Lernenden zu Überlegungen und Entscheidungen folgender Art führen:
- Wie kann ich Menschen helfen, die sich untereinander nicht verstehen?
- Welche sprachlichen Entscheidungen muss ich treffen, wenn ich die kommunikativen Absichten meiner Gesprächspartner berücksichtigen will?
- Welcher nonverbaler Mittel haben sich meine Gesprächspartner bedient? Wie kann ich sie richtig deuten?
- Wie kann ich persönlich Missverständnisse ausräumen oder anderen dabei behilflich sein?
- Welche Strategien eignen sich in besonderer Weise für gewisse Situationen oder kommunikative Intentionen?
Wir können feststellen, dass die verschiedenen Überlegungen und Entscheidungen, die beim Sprachmitteln auftreten, die Akteure in eine alles eher als passive Rolle versetzen.
Die Lernenden müssen demnach schrittweise Sensibilität für die unterschiedlichen (sprachlichen, nonverbalen, kulturellen) Verflechtungen entwickeln, die eine erfolgreiche Sprachmittlung ihnen abverlangt.




